Bus und Bahn bleiben Motor der Mobilitätswende

01.02.2021

Trotz Corona-Pandemie: Die Klimaschutzziele der Europäischen Union sind nicht in der Schublade verschwunden. Im Gegenteil. Weitermachen, „Kurs halten”, muss die Devise sein. Das ist zugleich der Titel eines Positionspapiers des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) an die Adresse von Politik und Wirtschaft mit der klaren Ansage: „Bus und Bahn bleiben Motor der Mobilitätswende”.

„Der Verkehrssektor muss für die globalen Ziele des Pariser Klimaschutzabkommens eine deutliche Reduktion von Treibhausgasen erreichen, auch um EU-Strafzahlungen zu vermeiden. Klimaschutzziele dürfen nicht einmal zeitlich befristet ausgesetzt werden, da anderenfalls Kumulationen unerwünschter Klimaeffekte die ohnehin schwierig zu erreichenden Ziele des Klimaschutzabkommens in große Ferne verschieben”, warnt das Papier. Die Pandemie bzw. die Bekämpfung ihrer Folgen würden aber Chancen bieten, den Treibhausgas-Emissionen konsequent Paroli zu bieten: Konjunktur- und Investitionsprogramme seien systematisch mit Bezug zu Nachhaltigkeit, CO2-Einsparpotenzial, wirtschaftlicher Tragfähigkeit und zukunftsfähigen Arbeitsplätzen zu entwickeln und in realistische Umsetzungsschritte zu überführen.

Wandel als Chance

Zwar habe COVID-19 Verkehrsnachfrage, Verkehrsangebot und Verkehrssystemgestaltung in den letzten Wochen und Monaten verändert. Doch niemand weiß, was davon Bestand haben wird. Und immerhin: Bus und Bahn erhielten politische Rückendeckung: Der Bund und Länder kompensieren pandemiebedingte Fahrgeldausfälle in Milliardenhöhe, doch der Rettungsschirm trägt wohl nur bis zum Jahresende. Perspektivisch müsse es daher gelingen, neue Kundinnen und Kunden zu gewinnen. Als zentrale Herausforderung an den ÖPNV sieht das Positionspapier die Aufgabe, Verkehrsangebote mit zeitlicher Flexibilität noch stärker an die Nachfrage anzupassen. Die digitale Erfassung von Kundenströmen für eine bessere Auslastung und gleichmäßigere Verteilung auf die Kapazitäten bei Bus und Bahn könne den Abstandswunsch in der Pandemie mit mehr Privatsphäre besser gewährleisten.

Flexibilität und Digitalisierung

Als möglichen Beitrag zur Entzerrung der Verkehrsspitzen sehen die Autoren der Studie – Experten aus den Verkehrsunternehmen – auch eine Staffelung des Schulunterrichtsbeginns sowie eine Flexibilisierung der Arbeits- und Ausbildungsmodelle. Für mehr Platz im Nahverkehr sollten Verbindungssuche, Routing und Ticketbuchung mit dem eigenen Smartphone ausgeweitet werden. Das eTicketing biete auch neue flexiblere tarifliche Möglichkeiten insbesondere für Abo-Kundinnen und -kunden, die mal an ihrem Arbeitsplatz und mal von zu Hause arbeiten. Gleichzeitig müsste der Ausbau der Kapazitäten bei Bus und Bahn forciert werden.

Eine Vision, fünf Offensiven

Verkehrsplaner und Verkehrsverwaltung müssen schneller werden, zumal die Politik insbesondere mit bei der Gemeindeverkehrsfinanzierung und bei den Regionalisierungsmitteln gute Bedingungen geschaffen hat. Für die Mobilitätswende in diesem Sinne fordert das Positionspapier ein Umdenken und Umsteuern auf breiter Front und hat fünf „Offensiven” entwickelt für den Ausbau des Angebots und der Infrastruktur, für die Finanzierung, Vernetzung und die konsequente Gestaltung der Planungsprozesse. VDV-Präsident Ingo Wortmann, Chef der Münchner Verkehrsgesellschaft, bringt es auf den Punkt: „Der öffentliche Verkehr bleibt bei der Mobilitätswende ein entscheidender Akteur, denn er ist die Lösung für klimafreundlichen Verkehr. Wir verstehen unsere Rolle als Vorreiter einer neuen, sich wandelnden Mobilität in den Städten und auf dem Land, auf Schienen und Straßen. Wir bieten bezahlbare und zuverlässige Mobilität für Menschen und Güter. Wir sichern hunderttausende qualifizierte Arbeitsplätze in Deutschland und wir sichern täglich die Mobilität von über 80 Millionen Bürgerinnen und Bürgern.”

Das komplette Positionspapier des VDV findet ihr hier.

Das könnte dich auch interessieren:

Als Ingenieur*in die Tram der Zukunft mitgestalten

Als Ingenieur*in die Tram der Zukunft mitgestalten

15.08.2022

Wenn viele Fahrgäste Tag für Tag beruflich pendeln und im Öffentlichen Personennahverkehr zuverlässig an ihr Ziel kommen wollen, dann brauchen sie eine zuverlässige Verkehrslösung, die zu ihren individuellen Bedürfnissen passt. Im Schnitt befördert die Rhein-Neckar-Verkehr GmbH (rnv) an einem regulären Werktag etwa 500.000 Fahrgäste und es werden mehr, denn die Metropolregion Rhein-Neckar ist ein wichtiges Zuzugsgebiet.

Neuer E-Bus-Sound für Deutschland

Neuer E-Bus-Sound für Deutschland

14.07.2022

Wie aus einer EU-Vorgabe eine griffige und tragfähige Lösung „Made in Germany“ wird, zeigt der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) mit seinen Partnern und beweist damit ein Stück Mobilität der Zukunft. Der VDV entwickelte mit Partnern einen E-Bus-Sound, der außerhalb der Fahrzeuge, vor allem an Haltestellen bei der An- und Abfahrt, gehört werden kann.

Der Wandel der Arbeitswelt: Was bleibt, was kommt, was brauchen wir?

Der Wandel der Arbeitswelt: Was bleibt, was kommt, was brauchen wir?

12.11.2021

Wenn man Expert*innen für Arbeitswirtschaft und Organisation oder Soziologie fragt, dann wird ganz deutlich: der Wandel der Arbeitswelt ist in vollem Gange. Das „New normal“ nach der Pandemie wurde schon jetzt geprägt von einem Digitalisierungsschub und neuen Denkwegen in Organisationen, ganz gleich welcher Branche und Größe.

Digitales Pilotprojekt geht an den Start: Mehr Prozessgeschwindigkeit durch digitalen Rangierbetrieb

Digitales Pilotprojekt geht an den Start: Mehr Prozessgeschwindigkeit durch digitalen Rangierbetrieb

30.08.2021

Stell‘ dir vor, jede Lokomotive von Güterzügen hat eine Kamera als „zweites Auge“ und liefert hochauflösende Bilder, aus denen Rangierer*innen am Monitor erkennen können, ob alle Waggons, Druckluftschläuche oder Kupplungsteile intakt sind. Utopie oder Realität? Das Arbeitsgebiet eines Rangierers bzw. einer Rangiererin ist vielfältig und umfasst das Sichern von stillstehenden Fahrzeugen, , das Durchführen von Bremstests und das Kuppeln sowie Entkuppeln von Zügen. Diese Aufgaben lassen sich durch die Digitalisierung vereinfachen und erleichtern so die tägliche, auch körperlich schwere Arbeit.

Im ÖPNV nachhaltig mit Bussen „on demand“ unterwegs

Im ÖPNV nachhaltig mit Bussen „on demand“ unterwegs

01.02.2021

Stell‘ dir vor es entsteht ein neues Wohnquartier und lautlose, automatisierte Busse holen dich ab, wenn du sie brauchst… So utopisch ist dieser nachhaltige Gedanke nicht, denn in Mannheim entsteht zurzeit auf dem FRANKLIN-Areal nicht nur ein neues Stadtquartier, sondern auch ein neues Verkehrskonzept. Das frühere US-Kasernengelände wird in Kürze zum Reallabor. Mit einer neuen und umweltfreundlichen Verkehrslösung sollen direkte Wege mit dem RABus ins Stadtzentrum und in die Natur nahtlos und nachhaltig möglich werden.

Bus und Bahn bleiben Motor der Mobilitätswende

Bus und Bahn bleiben Motor der Mobilitätswende

01.02.2021

Trotz Corona-Pandemie: Die Klimaschutzziele der Europäischen Union sind nicht in der Schublade verschwunden. Im Gegenteil. Weitermachen, „Kurs halten”, muss die Devise sein. Das ist zugleich der Titel eines Positionspapiers des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) an die Adresse von Politik und Wirtschaft mit der klaren Ansage: „Bus und Bahn bleiben Motor der Mobilitätswende”.