Women in Mobility: Katharina Leonhardi – Quereinstieg als U-Bahnfahrerin

23.11.2023

In der männerdominierten Mobilitätsbranche sind Frauen noch immer stark unterrepräsentiert. Das Netzwerk Women in Mobility (WiM) setzt sich für eine bessere Sichtbarkeit von Frauen und ihren fachlichen Kompetenzen in der Verkehrsbranche ein. WiM wendet sich an alle Frauen aus allen Mobilitätssparten, Ausbildungs- und Karrierestufen und fördert den Aufbau von Netzwerken, den aktiven Mobilitätsdiskurs und schafft Chancen zum Empowerment.

Vor Kurzem wurde die Teamleiterin der Zentralwerkstatt Kraftfahrzeuge Vanessa Grischkewitz im Blog von Women in Mobility als eine der Frauen in der Mobilitätsbranche präsentiert. Heute möchten wir euch Quereinsteigerin Katharina Leonhardi – U-Banhfahrerin mit Leidenschaft bei der Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) – vorstellen. Für sie ist besonders wichtig, einen Job zu machen, mit dem sie sich identifizieren kann. Genau das bietet ihr der Job als U-Banhfahrerin. Erfahrt jetzt mehr zu Katharina Leonhardis Werdegang und ihren Arbeitsalltag.

Von der Bürokauffrau zur U-Bahnfahrerin

Katharina Leonhardi startete ihre berufliche Karriere mit einer Ausbildung zur Bürokauffrau bei den Stadtwerken Frankfurt und arbeitete dort auch mehrere Jahre in ihrem Beruf im Büro. Doch irgendwann war ihr das nicht mehr genug. „Ich wollte raus, weg vom Schreibtisch und etwas bewegen,“ berichtet Katharina Leonhardi. „Menschen bewegen – und mich gleichzeitig auch mehr für Nachhaltigkeit einsetzen.“ Zudem wollte sie mehr Kontakt zu Menschen und weniger theoretisch arbeiten. So kam sie zum U-Bahnfahrdienst bei der Verkehrsgesellschaft Frankfurt.

Kontakt mit Fahrgästen als Bereicherung im Arbeitsalltag

Als U-Bahnfahrerin kommt Katharina Leonhardi mit vielen Menschen ins Gespräch, auch wenn man das zunächst nicht vermuten würde. „Fahrgäste kommen oft auf mich zu, wenn sie Informationen zum Fahrplan, der Weiterfahrt haben möchten oder wissen wollen, was sie in bestimmten Situationen, wie zum Beispiel einer verlorenen Handtasche, tun sollen,“ erzählt Katharina Leonhardi. „Daraus ergeben sich dann oft Gespräche zu allen möglichen Themen. Auch an der Endhaltestelle oder bei längeren Wartezeiten entsteht oft eine lebhafte Kommunikation mit verschiedenen Fahrgästen, oft über persönliche Mobilität und Nachhaltigkeit.“

Kommunikation als Voraussetzungen für den Job als U-Bahnfahrer*in

Insbesondere wenn es zu langen Wartezeiten durch technische Probleme kommt, werden die Fahrgäste auch mal sauer oder sogar aggressiv. Hier sind dann entsprechende beruhigende Kommunikation und Deeskalation gefragt. Alle Menschen, die U-Bahnfahrer*in werden möchten, sollten über eine entsprechende Kommunikations- und Deeskalationsfähigkeit verfügen, um mit Fahrgästen in allen Gemütslagen umgehen zu können. Diese Voraussetzung wird bereits im Einstellungsgespräch geprüft.

Zudem ist auch technisches Verständnis ein wichtiger Skill, um in solchen Situationen den notwendigen Überblick zu behalten, den Fahrgästen genaue Auskunft zu geben oder bestimmte Probleme auch selbst lösen zu können.

Herausforderungen als U-Bahnfahrer*in

Katharina Leonhardi

Katharina Leonhardi liebt ihren Beruf und wie überall gibt es auch in der Mobilitätsbranche verschiedene Herausforderungen.

Eine davon ist wie angesprochen der Umgang mit Fahrgästen unterschiedlicher Art. „Mit alkoholisierten Menschen, die die Bahn verunreinigen, muss man auch erst einmal lernen, klarzukommen. Das ist nicht immer einfach.“ erklärt Katharina Leonhardi. Zudem führt die enge Taktung der Fahrpläne für die kontinuierliche Mobilität der Menschen zu Zeitdruck bei den U-Bahnfahrer*innen.

„Nachhaltige Mobilität muss rund um die Uhr und in einer hohen Frequenz gewährleistet werden. Das führt zu notwendigem Schichtdienst, damit nahezu rund um die Uhr Bahnen fahren können. Das ist natürlich nicht für jeden was und auch nicht mit allen Lebenswelten zu vereinbaren. Insbesondere für Familien mit kleinen Kindern kann der Job eine Herausforderung werden, da man im Fahrdienst nicht mal eben so wegkann, wenn etwas mit dem Kind ist.“ erzählt Katharina Leonhardi. „Durch Personalmangel und technische Probleme kann es auch schon mal notwendig sein, dass man länger arbeitet. Wenn man sein Kind dann zu einer bestimmten Uhrzeit abholen sollte, wird das schwierig.“ In der Regel weiß sie aber zwei Wochen im Voraus, wie sie eingesetzt wird und üblicherweise werden auch die angegebenen persönlichen Fahrwünsche realisiert. Sie selbst fährt am liebsten Frühdienst, der auch schon mal um 02:19 Uhr beginnt, da er am besten zu ihrem aktuellen Leben mit erwachsenen Kindern und der Pflege ihrer Mutter passt. „Außerdem finde ich den Frühdienst spannend und interessant, da die Fährgäste, die am Wochenende aus dem Club kommen, lustig sind und gute Laune haben.“

Trotz aller Herausforderungen liebt Katharina Leonhardi ihren Beruf und wünscht sich, dass viel mehr Menschen – vor allem Frauen – Leidenschaft für nachhaltige Mobilität hätten und in den Fahrbetrieb einsteigen. „Ich für mich sehe einfach immer das große Ganze, egal auf welche Herausforderung ich treffe: Menschen, Nachhaltigkeit, Ressourcen schonen und Umwelt. Dafür stehe ich morgens gerne auf. Ich mache etwas, womit ich mich identifizieren kann. In meinem Fall bringe ich die Menschen vom Auto auf die Schiene – und das motiviert mich jeden Tag aufs Neue.“

Vielseitige Karrierechancen in der Mobilitätsbranche, passend zu den eigenen Lebensumständen

Sollten sich Katharina Leonhardis Lebensumstände ändern und der Job im Fahrbetrieb nicht mehr zu ihr passen, gibt es vielseitige Entwicklungsmöglichkeiten. Sie könnte zum Beispiel bei der VGF als Teamleiterin im Fahrdienst einsteigen, Koordinatorin werden, in die Dienstplanabteilung wechseln oder sich innerbetrieblich auf eine Position in der Leitstelle oder einen anderen Job bewerben.

Jetzt bei den Verkehrsunternehmen einsteigen

Ob als unerfahrene Berufseinsteigerin oder als Quereinsteigerin – bei den Verkehrsunternehmen sind Frauen willkommen. Die Verkehrsbranche bietet jede Menge Berufsoptionen, ob durch eine Ausbildung zum/zur U-, Stadt- und Straßenbahnfahrer*in, als Quereinsteigerin als U-Bahnfahrer*in oder auch in anderen Berufsfeldern. Entdecke über 70 Berufsbilder in unserem Berufsverzeichnis.

Katharina Leonhardi ist U-Banhfahrerin bei der Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF). In diesem Gastbeitrag erzählt sie mehr über ihre große Leidenschaft, ihren Job als U-Banhfahrerin, für den sie sich als Quereinsteigerin entschieden hat. Katharina Leonhardi war es besonders wichtig, einen Beruf zu finden, bei dem sie jeden Tag etwas Neues erlebt, Kontakt zu Menschen hat und sich gleichzeitig für Nachhaltigkeit einsetzen kann.

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