„Steig bei uns ein“: Wie sich Beruf und Familie im Fahrbetrieb vereinbaren lassen

20.04.2021

Wie Lebensphasenorientiertes Arbeiten bei den Dortmunder Stadtwerken gelebt wird

Harald Kraus, Arbeitsdirektor von DSW21 

Dortmund ist eine der größten Metropolen in Deutschland, eine Stadt, die den Strukturwandel aktiv lebt. Die DSW21-Gruppe als Infrastrukturunternehmen ist Teil dieser Stadt und steht u.a. für eine moderne Mobilität. „Wir möchten uns für die künftigen Herausforderungen personell breiter aufstellen“, hatte Harald Kraus zum Beginn des Jahres 2020 angekündigt. Mit Blick auf die demografische Entwicklung setzte das Unternehmen dieses Vorhaben offensiv und erfolgreich mit einer Rekrutierungs-Kampagne um. Wir sprechen wir mit Harald Kraus, Arbeitsdirektor der Dortmunder Stadtwerke, DSW21.

Herr Kraus, in der Öffentlichkeit werden Bus- und Bahnfahrer*innen oft als unfreundlich, ungeduldig und wenig serviceorientiert wahrgenommen. Dabei ist der Beruf im Fahrbetrieb eine sehr verantwortungsvolle, wichtige Säule einer Branche, die Tag für Tag für eine verlässliche Beförderung, für Sicherheit und Zuverlässigkeit steht.

Die Herausforderungen in Zeiten der Corona-Pandemie steigen, sowohl für DSW21 als auch bei den Fahrgästen mit ihrem Sicherheitsbedürfnis. Welche Eigenschaften werden bei Bewerber*innen immer wichtiger, um den „sicheren, freundlichen Umgang mit den Kunden“, Tag für Tag zu leben?

Antwort Harald Kraus:

Für einen Fahrdienstbeschäftigten ist es wichtig, Belastbarkeit und Stressresistenz zu besitzen, bzw. zu entwickeln. Denn gerade auch im Umgang mit schwierigen Fahrgästen ist es wichtig, gelassen und geduldig zu bleiben. Leider kommt es immer wieder vor, dass es auch verbale Übergriffe, auch persönliche Beleidigungen von den Fahrgästen gibt. Hier brauchen Fahrer*innen schon ein hohes Maß an Resilienz.

Durch geeignete Seminare unterstützen wir unsere (neuen) Mitarbeitenden, damit sie mit diesen Herausforderungen im Berufsalltag zurechtkommen. Wir wollen unsere Beschäftigten hier nicht alleine lassen, deshalb liefern wir ihnen das methodische Rüstzeug, aber auch die klare Position des Unternehmens, damit sie gut aufgestellt sind. Auch außergewöhnliche Dienstzeiten im Fahrdienst sind für manche neue Mitarbeiter*innen eine Herausforderung. Wir halten es deshalb für unerlässlich diese Mitarbeitenden gut zu betreuen und diese Herausforderungen als Arbeitgeber im Bewusstsein zu haben.

Die wichtigste Anforderung – und das ist eine, die wir nicht schulen können – ist die Freude und Lust am Fahren und ein Teil der Daseinsvorsorge in Dortmund zu sein.

Mit Ihrer Rekrutierungs-Offensive waren Sie binnen einiger Monate sehr erfolgreich und stellten mehr als 72 neue Busfahrer ein. In einer aktuellen Pressemeldung zum Erfolg Ihrer Personalgewinnungs- Kampagne heißt es: „Familienfreundlichkeit hat die Bewerber*innen überzeugt.“ Studien belegen, dass die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, gerade bei jüngeren Bewerber*innen, ganz oben auf der Erwartungs-Skala, in Verbindung mit Chancengleichheit steht. Welche Unternehmensangebote, wie z.B. die Familienfreundlichkeit, sind aus Bewerbersicht entscheidend, worauf wird besonders viel Wert gelegt?

Antwort Harald Kraus:

Wir bieten den Kandidat*innen eine sichere und planbare Zukunftsperspektive, denn wir schließen unbefristete Arbeitsverträge. Dies ist häufig in anderen Branchen nicht der Fall, in denen z.B. mit Zeitverträgen gearbeitet wird bzw. der Job abhängig von der Auftragslage ist. Die aktuelle Lage zeigt, wie krisensicher eine Beschäftigung bei DSW21 ist.

Darüber hinaus bieten wir sowohl Teilzeit- als auch Vollzeitstellen im Fahrdienst an. Die unterschiedlichen Dienste, auch zu unruhigen Zeiten, sind für Bewerber*innen mit Kindern eine Herausforderung. Dennoch berichten uns viele Mitarbeiter*innen seit Jahren, dass sie ihr Familienleben und die Arbeit im Fahrdienst sehr gut unter einen Hut bekommen.

Es gibt seit Jahren eine Kooperation mit einer AWO Kindertageseinrichtung, in der für DSW21-Mitarbeiter*innen eine Anzahl von Plätzen „reserviert“ ist und in der wir unseren Mitarbeitenden ebenfalls einen Kita-Platz anbieten können. Auch beim Thema der häuslichen Pflege von Angehörigen unterstützen wir unsere Mitarbeitenden im Bedarfsfall.

Besonders gut kommt auch die Betriebsrente bei unseren Bewerbern*innen an, da diese zu 100% aus dem Unternehmen kommt und unsere Mitarbeiter*innen keinen Eigenanteil zahlen müssen.

DSW21 wurde mehrfach mit dem „TOTAL E-QUALITY Prädikat“ ausgezeichnet. TOTAL E-QUALITY Deutschland e.V. vergibt sein Prädikat für beispielhaftes Handeln im Sinne einer an Chancengleichheit ausgerichteten Personalführung. Hierzu gehören der prozentuale Anteil von Frauen bei den Beschäftigten und Führungspositionen sowie Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie gezielte Weiterqualifikationen.

Zusammengefasst möchte ich es so sagen: Wir wollen mehr als nur ein Arbeitgeber sein, für uns steht der Mitarbeitende im Vordergrund.

Die passenden Mitarbeitenden machen den Erfolg eines Unternehmens aus. „Mit welchen Argumenten ist es Ihnen gelungen, binnen so kurzer Zeit über 70 neue Busfahrer*innen zu gewinnen, waren auch Quereinsteiger*innen mit dabei? Wenn Sie an die Qualifikation denken, welche Qualifikation wird gebraucht und wie qualifiziert DSW21 neue Mitarbeiter*innen für diese neue berufliche Aufgabe?

Antwort Harald Kraus:

Wir übernehmen die gesamten Kosten der Ausbildung und bezahlen während der Ausbildung bereits tarifliches Entgelt, sodass man als Quereinsteiger*innen den Lebensunterhalt weiter finanzieren kann und ist vom Start weg unbefristet beschäftigt.

In der Regel stellen wir ausschließlich Quereinsteiger*innen für unsere Ausbildung als Busfahrer*innen ein. Wir haben von Friseuren über Fachlageristen bis hin zu Floristen eigentlich aus jeden beruflichem Segment Bewerber*innen, die den Beruf als Busfahrer*in erlernen möchten.

Natürlich sind Bewerber*innen, die bereits in Ihrem vorherigen beruflichen Lebensweg Kundenkontakt hatten und serviceorientiert gearbeitet haben, sehr interessante Kandidaten für uns. Sie sollten einen ausgeprägten Dienstleistungsgedanken und Kundenorientierung besitzen. Außerdem sind Belastbarkeit und Zuverlässigkeit in diesem Beruf unerlässlich.

Wir setzen alles daran, die neuen Kollegen*innen sehr gut auszubilden. In der betriebseigenen Fahrschule erwerben sie den Führerschein Klasse D und im Anschluss daran werden sie mit Tarif- und Linienschulungen auf ihre neue Aufgabe vorbereitet. In den ersten zwei Wochen nach der Ausbildung, sind die neue Kollegen*innen immer noch mit erfahrenen sogenannten Lehrfahrern unterwegs. Die Kollegen begleiten die neuen Mitarbeiter*innen auf der Strecke und stehen mit Rat und Tat zur Seite.

Wir danken Ihnen für dieses Interview und wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg!

Hier gibt es weitere Informationen zu den Dortmunder Stadtwerken (DSW 21).

Wie die Verkehrsunternehmen mit Blick in die Zukunft Menschen und Technik miteinander verbinden, lest ihr in diesem Blogpost.

Weitere Jobs, spannende Berufsbilder und zahlreiche Einstiegschancen gibt es hier in unserem Stellenmarkt. Bewirb dich bei den Verkehrsunternehmen, wir freuen uns auf deine Bewerbung!

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